Auch nach der Reformation war Wunderglaube unter Protestanten noch weitverbreitet. Die Hoffnung, Gott würde auf überirdische Weise die Heilung von Leiden ermöglichen, knüpfte sich an bestimmte Orte, zu denen von der Mitte des 16. bis in das 18. Jahrhundert vor allem sogenannte „Gnaden- oder Wunderbrunnen“ zählten. Jene Brunnen, an denen man die Wunderheilung erhoffte, waren von Pfarrern betreute evangelische Wallfahrtsorte, die Tausende Besucher anzogen. Es ist erstaunlich, dass sie nach der Aufklärung selbst bei Kennern protestantischer Frömmigkeit völlig in Vergessenheit gerieten.
Die vorliegende Studie rekonstruiert das Phänomen lutherischer Wunderbrunnen vom ersten Auftreten bis zu ihrem Verschwinden umfassend anhand von rund 80 Standorten zwischen Ems und Oder sowie vom Main bis zur Ostsee, wobei das historische Mitteldeutschland einen Schwerpunkt bildet. Diese direkt aus den Quellen erarbeitete Studie, die 2024 von der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Regionalwissenschaften der Universität Leipzig als Habilitationsschrift angenommen worden ist, darf für das untersuchte Thema als bahnbrechendes Werk gelten.
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Auch nach der Reformation war Wunderglaube unter Protestanten noch weitverbreitet. Die Hoffnung, Gott würde auf überirdische Weise die Heilung von Leiden ermöglichen, knüpfte sich an bestimmte
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